SAGA


Es gibt eine Gegend, wo Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen, wo einst Schmuggler und Händler ihre Geschäfte betrieben. Dort ist mehr los, wie das menschliche Auge erfaßt oder ein menschliches Hirn je versteht.

Es ist ein Stück Erde wo Ereignisse passieren, die eigentlich gar nicht passieren können. Die Einheimischen aus dieser Region wissen, das es so ist, wie es ist. Klar, werden diese Geschichten nur unter vorgehaltener Hand erzählt. So geheim hält man dies schon seit Jahrhunderten. Jeder dort weiß, wenn diese Geschichten keine Geheimnisse mehr sind, wäre es für alle zum Nachteil. So bleiben die Geschichten eben Geschichten und einige wurden sogar schon zu Sagen.

Eines wissen alle Menschen im Tillenland, egal wie alt die Überlieferung ist und woher auch immer sie stammt, es ist etwas Wahres daran.

Wie jede gute Geschichte beginnt, fängt auch diese mit “Es war einmal” an.

 

Es war einmal in einem tiefen, dunklen Tannenwald, wo der Boden mit Granitfelsen geziert ist. Dort lebten kleine Männchen mit ihren ebenso kleinen Frauen und Kindern. Dieser Hochtann war nicht immer so, sondern über Jahrtausende ein prächtiger Laubwald. Wegen der großen Edelstein- und Erzvorkommen veränderte sich diese Gegend. Es war eine harte Zeit für alle. Doch unsere Vorfahren besannen sich, und bald lebten alle wieder in einem schönen Land. ...

Nein, Quatsch! Jetzt kommt kein Märchen. Ich will Euch lieber einiges vom Ursprung der Zwerge und von ihrem Leben erzählen. Also, wie die so ticken, oder sollte ich, wie die so tillen sagen?

Nun zu den knallharten Fakten, denn Geschichten, Märchen und Sagen über ihre Abenteuer kommen an anderer Stelle.

Der Ursprung der Tillenzwerge liegt unerforschbar lang zurück. Sie sind gutmütig und meist lustige Gesellen. Besonders köstlich amüsieren sie sich, wenn wir sie, in unseren alten Sagen, als Fabelwesen erwähnen. Schließlich leben sie ja immer noch, hier im Tillengebiet. Wir sehen sie jedoch äußerst selten und das scheint gut so.

Tillenzwerge vermeiden im Allgemeinen  den Kontakt zu Menschen.

Unsere Welt ist ebenfalls die ihre, nur in anderen Spähren. Während uns drei Dimensionen ausreichen, leben sie in einem wenigstens sechsdimensionalen Universum. Leider kann man niemanden Fragen, wie das so ist.
Kein noch so kluger Wissenschaftler weiß, wie ein solches Dasein sich anfühlt. Alle Phantasie der Erde reicht nicht aus, um es zu beschreiben. Wer aber mal mit den Tillenzwergen zu tun hatte, konnte schon ein wenig spüren, wie dies so ist.

Sie sind zudem, die einzigen echten telepathischen Wesen, die es auf unserem Globus gibt. Allerdings funktioniert ihre Fähigkeit, Gedanken zu lesen und zu senden, nur bei großer Gefahr. Sie können zwischen unserer dreidimensionalen und ihrer Welt einfach hin und her wechseln. Was wir, als 'sich unsichtbar machen' bezeichnen, nennen sie ‘umflitschen’.

Flitschen ist sowieso ein sehr beliebtes Wort. Sich in eine andere Situation bewegen oder sich in etwas hineinträumen, nennen sie einfach ‘hineinflitschen’. ‘Abflitschen’ heißt weggehen, loslaufen. Die Jüngeren benutzen es gerne, wenn sie mal wieder einen Streich gespielt haben und deswegen schnell abhauen müssen.

Trotz der Unterschiede, sind sie uns Menschen in Wesen und Art ähnlich. Manchmal viel zu sehr.

Diese Wesen haben ihren Namen durch ihren Hausberg erhalten, welcher heutzutage in der Oberpfalz, als markanter Rücken des auslaufendem Böhmerwalds, zwischen Tschechien und Deutschland liegt. Der Tillenberg, früher Dylen genannt, ist knapp 1000 Meter hoch. Dadurch, dass die ihn umgebende Gegend auf über 400 Metern liegt, wirkt er gar nicht so riesig.

Nun mal ganz im Ernst:

Da diese Landschaft einst sehr gesegnet mit Rohstoffen war, lockte sie viele Fremde an. Überall entstanden für die Erzgewinnung neue Arbeitersiedlungen, wie zum Beispiel Ernestgrün. Es gab neben dem Eisenerz auch viele wertvolle Edelmetalle zu bergen. Desweiteren fand man Edelsteine, wie Granaten usw.. Diese Vorkommen waren derart interessant, das es sich bis nach Venedig herum sprach. Um an all die Güter von Mutter Natur zu gelangen, trieb man tiefe Gänge in den Tillen. Es kamen viele kleinwüchsige Italiener, die dank ihrer Statur, leichter in den engen Stollen arbeiten konnten.

Diese pflegten für die Arbeit spitze Hüte und Kopfbedeckungen zu tragen, die Zipfelmützen ähnelten. Deswegen nannte die wesentlich größere Landbevölkerung diese Fremden scherzhaft Tillenzwerge.

Hier könnt Ihr Euch in eine Geschichte hineinflitschen!