Hans SOMMERT


    Tillenwunder, ein Sagenkranz aus dem Egerlande
    von Hans Sommert (Ernst Freimut) – zweite, verbesserte und vermehrte Auflage, Verlag “Unser Egerland” Eger

    Erschienen in der Reihe der Bücher des Egerländer Hauses.
    Umschlagzeichnung und Buchschmuck von Adam Kraft in Wildstein
    Verein für Heimaterkundung und Heimatpflege in Eger (verantwortlich Professor Johannes Stauda)
    Gedruckt von Georg Adler in Eger im Hartung (Jänner) 1924.

    Nach der Neuauflage, des Historischen Arbeitskreis der Marktgemeinde Neualbenreuth Juli 1997

    Schulrat Hans Sommert (alias Ernst Freimut):

  • Kurzvita:
    Am 20. Nebelmondes 1847 als Bauernbub in Miltigau / Kaiserwald geboren
    Lehrerausbildung und 1871 mit 24 Jahren nach Wien, als Bürgerschullehrer in Maria-Hilf, dann Übungsschullehrer
    und von 1885 bis 1913 als Professor für Deutsch an der staatlichen Lehrerbildungsanstalt.
    Am 5. Ostermonds 1923 in Wien verstorben. Die 2. Auflage seiner “Tillenwunder” hat er nicht mehr erleben dürfen.


    Titel:   Fruchtkeime : pädagogische Aphorismen in poetischer Form
    Verlag:   Stuttgart Lutz Verlag 1889
    Beschreibung:  original Leinenband, kl.-8°, VIII, 174 Seiten

    Titel:  Grundzüge der deutschen Poetik für den Schul- und Selbstunterricht.
    Verlag:   Wien, Pichler 1909.
    Beschreibung:  10. Aufl. VI, 146 S. OLn.
    Sachgebiet:  Literaturwissenschaft

    Titel:  Grundzüge der deutschen Poetik für den Schul- und Selbstunterricht.
    Verlag:   Wien Pichler Verlag 1913
    Beschreibung:  11. Auflage, original Halbleinenband, 8°, VI, 152 S.; Mit Unterstreichungen
    Sachgebiet:  Schulbücher

    “Konrad und Hilde”, erzählendes Gedicht, erschienen 1904
    diesen Stoff hat Sommert auch zu einer Tillenbergoper umgedichtet

    “Der Tillenberg”, 1. Auflage Januar 1904 – 50 Sagen
    Sommert, Hans  (= Ernst Freimuth)
    Titel:   Tillenwunder. Ein Sagenkranz aus dem Egerlande (Rpt 1997)
    Verlag:   Marktgemeinde Neualbenreuth 1997
    Beschreibung:  Zweite, verbesserte und vermehrte Auflage. 138 S., Reprint der 2. Auflage Januar 1924 – 65 Sagen und Anhang.
    Sachgebiet:  Märchen und Sagen “Der Tillenberg”,

    Ansonsten veröffentlichte Sommert (Freimut) noch eine große Zahl an Gedichten, die an verschiedenen Stellen veröffentlicht wurden.
    (siehe auch Quellen-Verzeichnis)


    Aus dem Geleitwort der Herausgeber:
    ... Tatsächlich ist Sommert in seinen Sagen nicht jener volkstümliche Erzählerton  gelungen, in welchem die Sagen vom schlichten unbefangenem Mann aus dem Volke erzählt werden und wie ihn etwa die Brüder Grimm in ihren Märchen so gut getroffen haben. Aber man erkennt aus Sommerts Arbeit an der sonst einfacheren Sagengestalt, daß er die Sagen seinen Landsleuten gefällig und anziehend machen und daß er seine Landsleute auch belehren wollte. Er tat es aus Liebe zur Heimat. ... “Mir ist nur daran gelegen, daß ich mit meiner Arbeit dem heißgeliebten Egerlande in etwas nütze und ihm Gutes biete.”  So erzählte denn Sommert seiner Heimat die Tillenbergsagen nach seiner Art und deshalb sollen sie auch in dieser Ausgabe in den von ihm zuletzt hergestellten Wortlaute veröffentlicht werden, damit das Schriftstellerische Bild des Erzählers nicht verwischt wird. 

    Jhr aber, Freunde der Heimat, leset das Büchlein, das wir Euch jetzt geben, präget  Euch die Sagen ein und erzählet sie aus dem Gedächnis weiter, den Kindern in kindlichem Ton, dem Volk in schlichter Weise oder wie Ihr es sonst für notwendig haltet. Wo immer sich die Gelegenheit bietet, vergeßt nicht, die heimatlichen Sagen zu erzählen: wenn Jhr etwa oben am Tillen von der Wanderung ausruht oder wenn Ihr Euch auch einmal ein Stündchen zu traulicher Unterhaltung zusammensetzt. ...
                                                                                            
       Die Herausgeber


    Belehrendes über den Tillenberg

    1. Die Lage des Tillenberges
    Im nordwestlichen Gebiete Böhmens liegt ein liebliches, fruchtbares Kesseltal: das ehemalig deutsche Egerland. Ringsum von Gebiergen (dem Erzgebierge im Norden, das Fichtelgebirge im Westen, der Kaiserwald im Osten und der Böhmerwald sich ab da in den Süden erstreckend)umfaßt, hat es seine Eigenart in Sitte und Mundart (leider nicht mehr so in Tracht)treulich bewahrt.
     Der “nördliche Böhmerwald”, von den Bayern das “oberpfälzische Waldgebirge” genannt, beherrscht nebst dem “Kaiserwalde” den Süden und Osten des herrlichen Ländchens. Der nördlichste Ausläufer des mächtigen Böhmerwaldes ist ein Berg, den der Egerländer vor allen übrigen in der weiten Runde liebt und deshalb auch gerne besucht, von dem er mit immer neuer Lust erzählt und fabelt: das ist der TILLEN. Dieser weiß sich aber auch ein solch erhabenes Ansehen zu geben, daß ihn der Bewohner des Egerer Beckens nicht aus den Augen verliehren kann. Überall ist sein ernstwürdiger, wetterkündender, sagenumwobener Scheitel zu erblicken: dem Egeraner zeigt er sein dunkles Herrscherhaupt im Südwesten, so noch auch dem Franzesbadener; der Königsberger schaut den Gewaltigen fast genau im Süden; der Marienbader erblickt ihn im Westen; der Waldsassener im Südosten seines Geschichtskreis; die Markt Neualbenreuth und speziell der Ernestgrüner bilckt ostwärts zu Ihm empor und liegt Ihm regelrecht zu Füßen.
    Der Tillen liegt 30° 10´ östlicherlänge von Ferro und in der nördlichen Breite von 49° 58´(heutige geographische Daten: 49° 58′ 5″ N, 12° 30′ 11″ O); seine Höhe beläuft sich auf 939m, so daß er in der weiteren Umgebung nur von zwei Bergen des Kaiserwaldes überragt wird, vom Judenhau (987m) und von der Glatzen (978m).

    2. Das Tillenberggebiet
    Dieses ist weit ausgebreitet und wird von den Bewohnern verschieden abgegrenzt. Der bezeichnendte Fluß für diese Gebietbestimmung ist die Wondreb (egerl. Wou(n)dra), die das Berggebiet in einem Halbkreis im Westen umfließt; gegen diese Himmelsgegend sind daher Mitterteich (der “hintere oberpfälzische Wald”) und Waldsassen in Bayern (“die Waldsaßner Stiftsberge”, den Tillen- und den Hedelberg, den Hoch-, Hohl- und Unterwald umfassend) Grenzorte des Gebiets. Auch gegen Norden, wohin die Abhänge, Lehnen und Halden des Tillen in allmählichen, weichen Wellen verlaufen, bildet die Wondreb die Grenze; doch nicht bis zu ihrer Mündung in die Eger, sondern bis zu der Stelle, wo der Krottenbach, vereinigt mit dem Leimbach (im Oberlauf Tillenbach genannt), unterhalb Tipessenreut in sie fließt, so daß diese Grenze durch die Ortschaften Pograt, Schöba, Gaßnitz, Tipessenreut, Lappizfeld, Thurn und Krottensee bezeichnet wird. Im Osten läüft sie längs Teschau, Miltigau, Markusgrün, Amonsgrün (im Tale des Laiben- oder Liebensteig-Baches, in seinem Unterlauf Krottenbach gehießen), Altwasser bis zur Ortschaft Schanz hin, wo die Tillenabhänge dem Kaiser- und Tepler-Gebirge am nächsten kommen und mit diesem den Königswarter Paß (540m) bilden. Die südlichen Ausläufer des Tillen reichen bis Prommenhof, ja andere rechnen noch das Gebiet von Brand und Heiligenkreuz dazu. Das ist die weitgehende Auffassung des Tillengebietes.
    Der Tillenberg aber wird in seiner Ausbreitung durch folgende Örtlichkeiten bezeichnet: Zeidelweid und Paliz im Norden, Ulrichsgrün, Neualbenreut, Boden und Altalbenreut im Nordwesten, Platzermühle, Ernestgrün und Buchgut im Westen, Alt- und Neumugl im Südwesten, St. Nikolauskirche und Mähring im Süden, Lohhäuser im Südosten, Grafengrün im Osten, Maiersgrün, Altwasser, Ödhäuser, Ober- und Unter-Sandau im Nordosten.