WISSENWERTES


Willkommen bei den Tillenzwergen im Grenzland, der Fraisch, nahe der tschechischen Grenze. Die Einheimischen erzählen sich hier, schon seit vielen Generationen, die Geschichten von und über die kleinen Waldbewohner. Da der Ansiedlungsschwerpunkt rund um den Tillenberg liegt, ist der Name Tillenzwerg entstanden. Angeblich waren schon die Zwergenvorfahren fleißige Bergarbeiter, die edle Granatsteine rund um den ‘Dylen’ sammelten.

Jeder trägt ein Birkenpfeifchen am Hals, mit dem sie sich untereinander über viele Kilometer warnen. Die Pfeiftöne sind hochfrequent und können nur sie und einige Lebewesen des Waldes hören. Aus ihrer Naturverbundenheit heraus, sind sie fähig die Zeichen der Pflanzen und Tiere hervorragend zu lesen und zu deuten. Jagen und Sammeln, ohne Gier, sind ihre Hauptbeschäftigungen. Auch pflegen sie traditionelle Kulturbräuche, wie tanzen und musizieren. Eins ihrer Talente ist, dass sie fast alles nachahmen können, was sie sehen und hören.

Zwirgelflitschen, sind die beliebtesten Fortbewegungsmittel, mit denen sie sich, ohne Probleme, keck durch den Wald bewegen oder von Baum zu Baum fliegen können.

Der Oberste ist ihr ‘Ob’. Jeder, der die Reifeprüfung bastanden hat, kann zum Ob gewählt werden. ‘Mumpfen’,so heißt diese Prüfung, verlangt von jedem weiblichen und männlichen Jungzwerg, die Erfüllung der gleichen Aufgaben. Zuerst geht es darum, dass sie ein Jahr, drei Monate und fünf Tage allein durch die Welt ziehen. In dieser Zeit dürfen sie sich von jedem Wesen, außer von Tillenzwergen, helfen lassen. Sind sie zurück, spielen sie ihre Erlebnisse vor. Danach werden ihre traditionellen Weisen, wie Lieder und Tänze sowie ihr Geschick, beim Umgang mit Edelsteinen, Pflanzen und Jagdwerk geprüft. Als letzter Akt erklären sie, in welchem Gemeindebereich sie sich einbringen wollen. Danach gibt es das große Mumpfenfest.

Die Menschen sind ihnen weder Freund noch Feind. Den Tillenzwergen kommen wir, wegen unserem Verhalten gegenüber der Natur, unserer Verschwendungssucht sowie unserem Gebärden gegenüber anderer Lebewesen, oft einfach und einfältig vor. Nicht, dass wir Langstelzen von ihnen negativ beurteilt werden, im Gegenteil, unseren Erfindergeist und vor allem unsere Ausdauer, beeindruckt sie sehr. Ach ja, ‘Langstelzen’, so nennen sie uns Menschen.


Ihre einzigen Feinde sind Trolle und eine heimtückische Krankheit, die sie erleiden, wenn sie zu lange keinen Grungelbarz genießen. Der Grungelbarz, ist ihre absolute Lieblingsspeise. Es ist ein Tillengericht, welches nach alter, überlieferter Rezeptur, nur zu einer bestimmten Jahreszeit zubereitet werden kann.

Desweiteren mögen die Tillenzwerge sehr gerne Nektarsäfte und likörartige Getränke, aus angegorenem Obst und Gemüse. Meistens jedoch, trinken sie einen ganz speziellen Tillentrunk, der aus Kartoffeln, Getreide und Kräutern besteht. Dieser Trank läßt sie irre lustig werden, bis sie sozusagen tillen. Wenn sie mal zuviel von diesem Gebräu intus haben, dann kommt es leider auch vor, dass sie sich streiten oder ganz schön raufen. Heftig und kurz, wie ein Gewitter die Luft reinigt. Das Gute, obwohl sie sich alles merken können, sind sie nie nachtragend oder gar rachsüchtig.

Die Tillenzwerge leben in kleinen Sippen. Die wohnen in dorfähnlichen Baumhäuschen und Höhlen. Im Hauptdorf, hoch oben am Tillen, ist die Hütte des Obs. Hütten sind bei ihnen ‘Huthn’ und die ‘Tofflhuthn’, der Treffpunkt für alle.

Die Tillenzwerge sind auch gläubig. Eine Frau und ein Mann agieren als Einheit in der Mitte des ‘Cercelon’, einem runden Platz. In den Händen halten sie je eine kleine Figur. Die Frau, die männliche Luxale und der Mann, das weibliche Gegenstück. Zusammen bilden beide Figuren ‘Lux’. Die Tillenzwerge sind überzeugt, dass alle Lebensformen nur miteinander funktionieren, mit aller Härte und in aller Güte.

Historisches über Hans Sommert
(der die ersten Tillenwunder veröffentlichte)